24. Feb 2016

Alpen vs. Harz – wo lässt es sich besser wandern?

 

Das Gebirge bietet für passionierte Wanderer besonders schöne Ausblicke und herausfordernde Strecken. Wer genießt nicht gern nach einem anstrengenden Aufstieg den Ausblick vom Berggipfel oder erfreut sich an der unberührten Natur abseits des Weges? Die deutschen Alpen und der Harz bieten beide auf ihre Weise eine einzigartige Kombination aus sportlichen Wanderrouten und ursprünglichen Naturerlebnissen. Was macht die Eigenheiten der beiden deutschen Gebirgsregionen aus?

bild-1© HebiFot (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Wanderrouten

Wer sich in diesem Jahr für einen Urlaub in Deutschland entscheidet, findet bekannte Wanderstrecken sowohl in den Alpen als auch im Harz in einer fast unüberschaubaren Anzahl. Zum Kennenlernen eignen sich die Folgenden:

Alpen

  • Wandern auf die Zugspitze: Wer auf die Zugspitze gelangen will, braucht nicht unbedingt die Fähigkeiten eines Reinhold Messner: Der lange Wanderweg im Allgäu auf den Gipfel erfordert keine Bergsteigerausrüstung, jedoch trittsicheres Schuhwerk und Schwindelfreiheit auf dem letzten Abschnitt zum Gipfelkreuz. Von Garmisch-Partenkirchen geht es los bis zur Reintalangerhütte (1367 Meter) oder zur Knorrhütte (2052 Meter), wo erschöpfte Wanderer nächtigen. Tags darauf folgt der Weg über das Zugspitzenplatt bis zur Bergspitze hinauf.
  • Tour zum Watzmannhaus: Der Watzmann in den Berchtesgadener Alpen gehört zu den bekanntesten Bergen der Welt, motivisch festgehalten in Fotos und Gemälden (zum Beispiel von Caspar David Friedrich). Um seinen Gipfel zu erreichen, benötigt man Bergsteiger-Fähigkeiten; das Watzmannhaus unterhalb der Bergspitze bietet jedoch einen lohnenswerten Endpunkt einer anspruchsvollen Wanderroute. Der Weg beginnt in Schönau am Königssee, führt zunächst über breite Straßen über Almflächen der Stubenalm und Mitterkaseralm und geht schließlich in einen schmalen Bergstieg über. Auf 1930 Metern erreicht der Wandernde nach ca. 4,5 Stunden das Watzmanhaus.
  • Chiemgauer Alpen: Sowohl für trainierte als auch für gemütliche Wanderer haben die Chiemgauer Alpen viel zu bieten. Neben den Orten, die einen Besuch wert sind, wie Reit im Winkel, Inzell oder Ruhpolding, lohnt sich eine aktive Wandertour auf die Chiemgauer Hausberge. Die „violette Route“, die in einer mehrtägigen Hüttenwanderung absolviert werden kann, erschließt den Kern der Chiemgauer Alpen. Für Familien und entspannte Wanderer stehen zahlreiche leichte Spazierwege zur Auswahl; zudem erleichtern Bergbahnen an vielen Stellen den Aufstieg.

Harz

  • Hexenstieg: Der Harzer Hexenstieg durchquert den Harz auf 97 Kilometern in Ost-West-Richtung und ermöglicht dem Wanderer, das Mittelgebirge auf einer mehrtägigen Tour in seiner ganzen Vielfalt zu entdecken. Die Route führt von Osterode über den Brocken nach Thale, wobei die Streckenführung variabel ist. Wer beispielsweise den Brocken nicht besteigen möchte, findet eine alternative Umführung, sowie entlang der gesamten Strecke etliche Herbergen und Rucksackquartiere eine Pause ermöglichen.
  • Karstwanderweg im Südharz: Auf etwa 230 Kilometern Wegstrecke erschließen sich entlang dieser Route dem Wandernden Landschaftsphänomene, die einst durch Wasserkräfte erschaffen wurden. Höhlen, Erdfälle und Dolinen sowie Karstquellen, Bachschwinden und Flussversinkungen prägen das einzigartige Bild.
  • Aufstieg zum Brocken: Mit 1.141 Metern ist der Brocken der höchste Harzgipfel und verströmt eine magische Atmosphäre, die bereits Goethe zur Beschreibung der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg inspirierte. Zahlreiche Routen führen auf den Gipfel, unter anderem die bequeme Fahrt mit der Brockenbahn. Besonders schön ist die 12 Kilometer lange und 850 Höhenmeter überbrückende Route mit Start in Ilsenburg. Sie passiert das Heinrich-Heine-Denkmal, die Hermannsklippe und die Bismarckklippe, bevor sie auf der Brockenkuppe endet.

Landschaft

Sowohl Harz als auch Alpenlandschaft beinhalten große Nationalparks, die die geschützte Heimat der spezifischen Tier- und Pflanzenwelt darstellen. Trotzdem sind die Gebiete größtenteils für Wanderer zu passieren, so dass auch sie in den Genuss der ursprünglichen Atmosphäre kommen:

  • Nationalpark Harz: Rund um den Brocken liegt der ca. 24.700 Hektar große Nationalpark Harz, der mit seinen Urwäldern, Felsen, Mooren und Wasserläufen eine ursprüngliche Landschaft mitten in Deutschland darstellt. Ausgedehnte Buchenwälder in den Randlagen sowie mystische Fichtenwälder, Moore und Granitklippen in seinen Höhenlagen beherbergen hochspezialisierte Moose, Flechten und Pflanzen wie den fleischfressenden Sonnentau. Der Nationalpark Harz ist zudem Heimat von Luchs, Waschbär, Wildkatze, Rothirsch und Auerhahn – glückliche Wanderer können abseits des Weges einen Blick auf den einen oder anderen der „Big Five“ des Harz werfen.
  • Nationalpark Berchtesgaden: Für Wanderer führt ein Wegenetz von insgesamt 250 Kilometern durch den einzigen deutschen Alpennationalpark, der 1978 geschaffen wurde. Im Naturschutzgebiet verbindet sich das einzigartige Landschaftsbild des Watzmanngipfels und des Hagengebirges, einer Tafellandschaft mit Steilwänden, Klammen und Schluchten, mit der spezifischen Fauna und Flora. Edelweiß und Enzian, Steinadler und Murmeltier sind nur einige bekannte Vertreter der reichen Tier- und Pflanzenwelt im Nationalpark. Ins Bergpanorama eingebettet liegen idyllische Bergseen, unter ihnen der 8 Kilometer lange Königssee – Mitteleuropas wohl einziger Fjord.

Weitere wichtige Punkte

Was gibt es sonst noch zu entdecken in Alpen und Mittelgebirge Harz?

  • Wintersport und Hotelvielfalt beiderorts: Sowohl im Harz als auch in den Alpen lässt sich über das Wandern hinaus auch ideal Wintersport betreiben. Beiderorts finden sich Gelegenheiten für Alpin-Ski, Langlauf und Snowboarden – Braunlage im Harz oder Oberstdorf im Allgäu sind dabei bekannte Ziele für Schneesportfans.
  • Einhornhöhle im Harz: Die sagenhafte Einhornhöhle ist die größte Schauhöhle des Harzes und bekannt seit 1541. Damals wurden in der 610 Meter langen Höhle Knochen gefunden, die dem gehörnten Fabelwesen zugewiesen wurden. Die Attraktion zog im Laufe der Geschichte europaweit berühmte Dichter und Forscher an, die sich mit der Rekonstruktion des Einhornskeletts beschäftigten. Heutzutage weiß man, dass es sich bei den Überresten um Knochen mehrerer Höhlenbären handelte, denen die Höhle einst Unterschlupf bot. Besucher erhalten auf den geführten Besichtigungen der Höhle Einblicke in Erd- und Wissenschaftsgeschichte – besonders für Familien mit Kindern bietet die Einhornhöhle ein unterhaltsames Wanderziel.
  • Hüttenküche der Alpen: Nichts füllt nach einer anstrengenden Wandertour die Energiereserven besser auf als die typische alpenländische Küche. In der Almhütte lassen sich Kaaspressknödel, Almochsengulasch, Kaiserschmarrn und Speckbrot am besten genießen, so dass Wandernde Kräfte für die Folgeetappe sammeln können. Entlang der Wanderrouten der Alpen bieten zahlreiche Gaststätten regionale Spezialitäten verschiedener Niveaus an – probieren lohnt sich.

bild-2© raik77 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Fazit

Alpen und Harz sind beide in ihrer Weise einzigartig und unvergleichlich. Wanderern stehen in beiden Gebirgen Routen unterschiedlichster Ansprüche zur Auswahl, so dass es sich lohnt, im Laufe des Lebens sowohl die eine als auch die andere Berglandschaft einmal zu Fuß zu erkunden.