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THEMA: Fünf Tage auf dem Maler Weg

Fünf Tage auf dem Maler Weg 1 Monat 3 Wochen her #1347

Den Bericht mit Bildern findest du übrigens hier: dasfliegendeklassenzimmer.org/fuenf-tage-auf-dem-malerweg/
Eine mehrtägige Wanderung stand schon länger auf unserer Wunschliste. Umso größer war die Freude als es für uns fünf Tage auf den Malerweg ging. Wie es uns ergangen ist, wo wir übernachtet haben und vieles mehr kannst du hier nachlesen.
Die Anreise
Eigentlich fängt die Tour ja schon richtig gut an, denn wir haben endlich mal einen der unteren Plätze im Liegewagen ergattert und müssen uns nicht, über die abenteuerliche Leiter, in die obere der drei Etagen begeben. Glücklich über dieses völlig neue Schlafgefühl im Nachtzug schlafe ich auch schnell ein. Ich schaffe es gerade noch darüber nachzudenken, ob es nicht eigentlich fair wäre, die unteren Plätze generell für Menschen in meinem Alter zu reservieren – da bin ich auch schon weg.
Da wir eine knappe Stunde Verspätung haben, frühstücken wir im Zug und springen in Dresden direkt in die nächste S-Bahn, die uns nach Wehlen bringt. Geplant war eigentlich hier unsere Tour zu starten, doch da wir schon spät dran sind und eine Nacht im Liegewagen zwar besser als im normalen Abteil, aber lang nicht so erholsam, wie im Bett ist, beschließen wir bis zur Bastei mit dem Wanderbus zu fahren. Während wir auf den Bus warten, der uns für viel Geld aber bequem zur Bastei bringen soll warten, besichtigen wir noch die kleine Bonbonmanufaktur am Marktplatz und decken uns mit etwas Wegzehrung ein.


1. Etappe: Von der Bastei zur Burg Hohnstein

An der Bastei angekommen trifft uns fast der Schlag: Unmengen Reisebusse, Hochzeitspaare samt Anhang und Fotografen, Wanderer – eben Unmengen Menschen. Dennoch schlagen wir uns durch die Menschenmenge, denn wie heißt es so schön: Tausend Fliegen können nicht irren und der Ausblick ist wirklich sagenhaft. Wir stehen noch eine gefühlte Ewigkeit an einer Toilette an, denn in die Büsche schlagen ist bei diesen Menschenmengen einfach nicht möglich und dann geht es endlich los. Durch den Bus liegen nun noch ca. 10 Kilometer vor uns. Zunächst geht es relativ eben daher und umso weiter wir uns von der Bastei entfernen, desto weniger Menschen treffen wir. Und dann wird der Weg auch immer schmaler und die ersten Treppen uns Stiege müssen erklommen werden. Dann endlich sehen wir die Burg Hohnstein, unser Quartier für heute Nacht. Allerdings brauchen wir nicht viel Fantasie, um zu wissen, dass der Weg dorthin noch recht beschwerlich sein wird. Warum müssen Burgen denn auch immer auf Bergen stehen?! Auf kleinen Pfaden, über Wurzeln und Stufen geht es nun steil bergauf. Oben angekommen pfeifen wir zwar aus dem letzten Loch, müssen aber eingestehen, dass wir das unterwegs gar nicht so gemerkt haben, denn der Weg war so schön und abwechslungsreich, das uns gar nicht aufgefallen ist, wie anstrengend er eigentlich war. Wir beziehen ein Sechsbettzimmer in der Burg – bleiben aber ein Glück alleine – gehen duschen und anschließend zum Essen. Es gibt Schnitzel, Pommes, Gemüse und von allem so viel das Herz, beziehungsweise der Magen begehrt. Vollgefressen fallen wir ins Bett, lesen noch etwas und sammeln Kraft für den morgigen Tag.

2. Etappe: Von Burg Hohnstein zur Ostrauer Mühle
Der Wecker reißt uns aus dem Tiefschlaf und nach einem etwas zu üppigen Frühstück – wie wir nach den ersten 100 Metern merken – machen wir uns auf den Weg zur Ostrauner Mühle, unserem heutigen Quartier. Ein Glück geht es zunächst nur leicht, aber dafür stetig bergauf, dennoch sind wir geschafft, als wir in Brand ankommen. Eigentlich wollten wir hier nur kurz etwas trinken, um unsere Vorräte zu schonen, doch dann erliegen wir dem Geruch nach leckerem Essen und bleiben hängen.
Doch es hilft alles nichts, wir müssen uns von der tollen Aussicht, die man hier oben hat, verabschieden und über 800 Stufen steil den Berg runter. Kaum zu glauben, wie das in die Beine geht. Unten angekommen spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken den Bus zu nehmen, aber diese Entscheidung bleibt mir erspart, denn es gibt zwar eine Bushaltestelle aber es fährt kein Bus. Tja dann eben auf der anderen Seite wieder hoch und wie sollte es anders sein, wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. Also glücklich oben angekommen machen wir uns auf zum nächsten Abstieg. Meine Beine werden immer schwerer und zu allem Übel hab ich auch noch meine Tage und könnte dringend mal ein Klo gebrauchen. Ich setze all meine Hoffnung in eine Kneipe, die laut Karte in Kohlmühle sein soll. Ist sie auch, doch leider ist sie geschlossen. Ich bin am Limit: die Beine tun weh, die Windel ist voll und zu allem Überfluss rennt uns auch noch die Zeit davon, denn es fängt langsam an zu dämmern. Ganz Anja like heule ich erst einmal eine Runde, um wenige Sekunden später meiner Tochter zu verkünden: „Scheiß drauf. Grenzen sind dazu da überschritten zu werden.“ Und weiter geht es – natürlich Berg auf. Als wir oben sind, fängt es zu allem Übel auch noch an zu regnen und es wird empfindlich kalt. Wir sind beide erleichtert, als wir tief unter uns den Campingplatz erblicken, und machen uns mit neuer Kraft an den letzten Abstieg für heute. Unten angekommen beziehen wir ein kleines Zimmer, in dem schon nach wenigen Minuten unser übliches Chaos herrscht. Wir gehen duschen und machen uns völlig ausgehungert auf den Weg zu dem Campingplatzrestaurant, wobei die paar Meter bis dorthin unüberwindbar scheinen. Und dann beginnt für mich eine Zeitreise in die DDR. Das Restaurant ist völlig überfüllt, wir bekommen keinen Platz und werden vertröstet. Als die ersten zwei Plätze frei werden, stürmen wir los, doch aus welchem Grund auch immer bekommen andere den Platz. Nach 1 ½ Stunden sitzen wir glücklich an einem Tisch. Bis unsere Bestellung aufgenommen wird, dauert es noch einmal eine gefühlte Ewigkeit und dann passiert genau das, was ich, die Verwandtschaft in der DDR hatte, schon die ganze Zeit befürchtet habe: Wir rattern ein Gericht nach dem anderen aus der Speisekarte herunter und immer wieder das nette Lächeln der Bedienung und der Satz:„Tut mir leid, das ist leider aus.“ Schließlich einigen wir uns darauf, dass sie uns einfach das bringen soll, was noch da ist und wir verbringen eine weitere ¾ Stunde in der Ungewissheit, ob wir überhaupt noch etwas zu essen bekommen. Letztendlich fallen wir satt ins Bett und auch der Lärm der Familie, die im angrenzenden Aufenthaltsraum noch munter vor sich hin spielt kann uns nicht daran hindern in den Tiefschlaf zu fallen.


3. Etappe von der Ostrauer Mühle zur Neumannsmühle
Der erste Gang zum Klo an diesem Morgen macht mir deutlich, dass ich nicht mehr 20ig bin und bevor ich anfange mich wegen dieser Tatsache zu ärgern beschließe ich, dass wir die heutige Etappe abkürzen, indem wir mit der historischen Kirnitzschtalbahn bis zum Liechtensteiner Wasserfall fahren. Dort angekommen befinden wir uns wieder in einer Menschentraube, die sich auf den Weg zum Kuhstall macht. Der Weg ist weder besonders lang noch sonderlich steil und trotzdem brauchen wir mit unseren müden Knochen ewig, bis wir oben sind. Endlich angekommen sind wir vom Kuhstall eher enttäuscht. Dennoch gönnen wir uns noch ein dickes Eis mit heißen Heidelbeeren – wo kann man sich so was sonst schon leisten. Und um ehrlich zu sein, drücken wir uns auch etwas vor dem bevorstehenden Abstieg, denn es warten mal wieder Hunderte von Stufen auf uns. Als es wirklich keinen Grund mehr gibt, den Abstieg weiter hinauszuzögern gehen wir es an und es ist gar nicht schlimm! Die Menschenmassen lasen schlagartig nach und der Weg ist so toll, dass niemand mehr daran denkt, dass die Knochen wehtun. Am frühen Nachmittag erreichen wir die wirklich schnuckelige Neumannsmühle und genießen einen faulen Nachmittag. Das Essen ist spitze doch die Nacht im Schlafsaal artet für mich in Stress aus. Ich schnarche und nach den ersten dummen Kommentaren kann ich, vor Angst wieder zu sägen, nicht mehr einschlafen. Irgendwann bin ich völlig entnervt und sage mir einfach: „Wen das stört, der muss halt in ein Hotel gehen und darf nicht in einem Schlafsaal schlafen.“ Das hilft und schon bin ich weg. Ob mit oder ohne Schnarchen weiß ich nicht.

4. Etappe: Von der Neumannsmühle auf den Großen Winterberg
Am nächsten Morgen genießen wir das Frühstück in dem netten Speiseraum und machen uns auf den Weg. Auf dem Programm stehen ca 12 Kilometer bis auf den Großen Winterberg. Wie in den letzten Tagen auch, führt der Weg über kleine Pfade bergauf und bergab. Der Aufstieg zum Winterberg führt teilweise über kleine Holzstege und da überall Laub liegt, fragen wir uns das ein oder andere Mal, ob wir noch richtig sind, doch dann können wir das Hotel sehen. Von außen hat das Hotel schon bessere Zeiten gesehen und es ist auch alles andere als luxuriös – zum Duschen müssen wir ein Stockwerk höher aber dennoch ist es zu empfehlen. Es wird von einem jungen Team bewirtschaftet und das gesamte Angebot an Speisen und Getränken stammt entweder aus der Region oder aus fairem Handel.

5. Etappe: Vom Großen Winterberg nach Schmilka
Tja und dann ist auch schon der Abreisetag und damit unsere letzte Etappe gekommen. In der Nacht hat es gestürmt und ich hatte schon Bedenken, ob wir überhaupt loslaufen können. Auch bei unserem Abstieg windet es noch ganz schön, aber es geht und so machen wir uns auf den Weg nach Schmilka. Obwohl nur wenige Kilometer vor uns liegen, wird die letzte Etappe zum Horror. Es geht super steil bergab und als wir unten sind, sind auch meine Füße wund. Mit dem Nahverkehrszug fahren wir nach Dresden, kaufen noch ein Buch für die Rückfahrt und müssen dann leider feststellen, dass unser Zug ausfällt. Schließlich fahren wir irgendwie über Magdeburg nach Frankfurt und dann nach Köln. Natürlich ohne Reservierung und dementsprechend auch ohne Sitzplatz. Aber mir ist alles egal, ich bin ko und ich habe gerade die schönste Wanderung meines Lebens hinter mir, also setze ich mich auf den Boden hole mein Buch raus und fühle mich einfach gut.

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Fünf Tage auf dem Maler Weg 1 Monat 2 Wochen her #1348

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